Küsterin Uta Schuster blickt auf 35 Jahre Dienst zurück
Im Gespräch mit Pastor D. C. Rohrlack
34 Jahre Küsterdienst – das sind unzählige Gottesdienste, Taufen und Trauungen, viele Male Glockenläuten, Blumen auf dem Altar, wechselnde Paramente und noch viel mehr Begegnungen mit Menschen.
Im kommenden Jahr wird unsere Küsterin Uta Schuster ihren Dienst beenden. Zeit, einmal zurückzublicken – und zu fragen, wie eigentlich alles angefangen hat.
DCR: Uta, jetzt sind tatsächlich fast 35 Jahre vergangen. Wie bist du damals überhaupt Küsterin geworden?
US: Es stand in der Zeitung. Meine Schwester hatte die Zeitung gelesen und mich angerufen. Dann bin ich gekommen, habe mich beworben – und gewartet.
DCR: Das heißt, du hattest vorher nicht lange den Wunsch: „Ich möchte unbedingt Küsterin werden“?
US: Nein, das hatte ich nicht.
DCR: Welcher Pfarrer war damals hier?
US: Pastor war Superintendent Dubert.
DCR: Wenn du auf die 35 Jahre zurückblickst: Was hat sich am stärksten verändert?
US: Es hat sich vieles verändert. Ich habe ja noch im alten Gemeindehaus angefangen. Eigentlich sollte erst auf dem Burgplatz ein neues Gemeindehaus entstehen, aber daraus wurde nichts. Dann wurde das zweite Pfarrhaus umgebaut und vergrößert, und 1998 sind wir hier eingezogen. Das alte Gemeindehaus wurde verkauft.
DCR: War das neue Haus denn wenigstens einfacher zu putzen?
US: Na ja … nicht unbedingt. Im Saal sind ja diese vielen kleinen Fenster. Im alten Haus waren die Fenster größer. Das war schon einfacher.
DCR: Wenn du heute der Uta von damals einen Ratschlag geben könntest – was würdest du ihr sagen?
US: Es muss Spaß machen. Es ist viel Arbeit, aber es muss auch Spaß machen und man muss es gerne machen. Ich bin immer gerne zu den Gottesdiensten gegangen. Das hat mir viel Spaß gemacht. Und auch die Arbeit hier hat mir gut gefallen.
DCR: Viele Menschen sehen die Küsterin eigentlich nur kurz vor und nach dem Gottesdienst. Aber das ist ja nur ein kleiner Teil der Arbeit. Was macht eine Küsterin eigentlich alles?
US: Als ich angefangen habe, hat mich Pastorin Scheller eingearbeitet. Damals war auch das Läuten noch ganz anders. Vieles musste noch von Hand gemacht werden. Der Motor für die Glocken musste regelmäßig aufgezogen werden. Das hat Heinz gemacht – für mich war das zu schwer.
Dazu kommen natürlich die Reinigung der Kirche und des Gemeindehauses und die Vorbereitung der Gottesdienste. Bei Taufen und Trauungen muss alles vorbereitet werden. Die Blumen müssen besorgt und der Altar geschmückt werden. Und natürlich gehört das Läuten dazu. Das musste ich alles erst lernen.
DCR: Welche deiner Erinnerungen aus den 35 Jahren möchtest du auf keinen Fall missen?
US: Eigentlich war alles schön. Es war alles gut.
DCR: Aber vermutlich waren auch schwierige Zeiten dabei.

US: Nein, die Tage waren nicht alle rosig. Es gab auch Zeiten, in denen es schwierig war. Es gab nicht immer Sonnenschein. Zähne zusammenbeißen und durch. Aber es ging weiter!
Der Kontakt mit den Menschen, aufeinander zugehen – das war schön. Das Zusammenspiel mit sechs Pfarrerinnen und Pfarrern, Kirchenvorstand und Ehrenamtlichen, man muss sich absprechen. Gerade für die Vorbereitung der Gottesdienste.
DCR: Was würdest du jemandem sagen, der überlegt, deine Nachfolge anzutreten? Warum sollte man Küsterin oder Küster werden?
US: Man muss Spaß an der Arbeit haben. Gerade Weihnachten und Ostern sind mit viel Arbeit verbunden. Da gibt es viele Gottesdienste und viel vorzubereiten. Das muss man wissen.
Und man muss wahrscheinlich auch bereit sein, immer wieder etwas Neues zu lernen. Vor ein paar Jahren war das Tablet noch fremd, heute gehört es zur Planung dazu.
DCR: Eine Sache habe ich in den vergangenen 13 Jahren an dir besonders schätzen gelernt: deine Verlässlichkeit und dass du einfach mitdenkst.
DCR: Wenn dein Dienst im kommenden Jahr zu Ende geht: Worauf freust du dich am meisten?
US: Das weiß ich noch gar nicht. Ich weiß nicht, wie mein Tag dann laufen wird. Ich weiß nicht, wie das sein wird, wenn ich nicht mehr los muss. Das steht noch in den Sternen.
DCR: Liebe Uta, dann möchte ich dir am Ende Danke sagen. Danke für dieses Gespräch – aber vor allem für die vielen Jahre deines Dienstes. 13 Jahre davon durfte ich dich selbst als Küsterin erleben. Ich bin sehr dankbar dafür.
Auf dich ist Verlass. Du denkst mit, oft lange bevor andere überhaupt merken, dass etwas zu tun ist, hast du es bereits erledigt. Das ist alles andere als selbstverständlich.
US: Ich habe es gerne gemacht!



