Worte der Erinnerung an Pastor Norbert Paul

Ein schlichtes Waldläuferzeichen, das unter Pfadfinder*innen mehr ist. Aus dem “Aufgabe erfüllt” der Schnitzeljagd wird in der Langform “Ich habe meine Aufgabe erfüllt und bin nach Hause zurückgekehrt”. Ein Zeichen der Trauer und des Abschieds. 

Wir haben Abschied genommen von unserem Stammesgründer und Pastor im Ruhestand Norbert Paul am 11. April 2026 in der Sankt Andreas Kirche Gadenstedt.

Norbert als Pastor

Mit 28 Jahren wurde Norbert Paul im Sommer 1985 in ebendieser Kirche eingesegnet in das Amt des Pastors.

Mehr zu Norberts beruflicher Vergangenheit ist nachzulesen im Interview mit Ursula Kalkreuth lesen, in dem er auf die Amtszeit in seiner zweiten Pfarrstelle zurückblickt.

Norbert hat es als Pastor verstanden, Gottesdienste festlich zu gestalten, ohne dass sie pathetisch wurden. So waren “Norbert-Gottesdienste” einfach auf eine Art und Weise stimmig und rund, die mit Worten nicht einzufangen sind, sondern nur mit dem Herzen.

Norbert als Pfadfinder

Die Wiederbelebung der Jugendarbeit sollte einer seiner Schwerpunkte sein, das machte der Pastor nach Amtsantritt im Juni klar. Seine pfadfinderischen Wurzeln hat Norbert in seiner Geburtsstadt Nienburg. Mit damals elf Jahren wird Norbert Paul 1968 Mitglied im VCP-Stamm Diogenes.

Was ihn am Pfadfinden begeisterte, war die Gemeinschaft, das Gefühl, Teil eines größeren Ganzen zu sein, das Miteinander, das „Learning by doing“. „Alleine sind wir schwach, nur miteinander sind wir stark“, schrieb Norbert später in seinem Lied Grenzenlos. Dieser Gedanke prägte sein Handeln ebenso wie die Haltung, anderen im Sinne Jesu mit Liebe zu begegnen.

Stammesgründung

Als Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder Stamm Sankt Andreas Gadenstedt Pastor Norbert Paul wurden wir gegründet: Am 26. September 1985 fand die erste Gruppenstunde statt. „Ganze drei Kinder kamen damals, aber ich war schon zu diesem Zeitpunkt überzeugt, dass sich daraus etwas Größeres entwickeln wird.”, erinnerte sich Norbert zurück. Viele der ersten Pfadfinder*innen waren zugleich sein erster Konfirmandenjahrgang.

Zehn Jahre lang war Gründer Norbert Paul selbst aktiv. Das erste Pfingstlager ging 1986 mit dem Bezirk Homburg nach Holzminden. Eine ereignisreiche Nachtwanderung wird zur ersten Fahrten-Erinnerung. Es folgen zahlreiche weitere, die es ohne Norbert nicht gegeben hätte.  Mehr zu lesen im Nachruf auf der Internetseite.

Mit den Wanderfalken wird die erste Gruppe des Stammes zu Mitarbeitenden, die ihn als Stammesleitung ablösen. Für den Stamm war es an der Zeit erwachsen zu werden, mit den dafür üblichen Reibereien.

Was bleibt

Was blieb, war Norberts Vertrauen. Er hatte den Rahmen geschaffen, in dem Verantwortung übernommen werden konnte, in dem man sich ausprobieren konnte. Viele Generationen von Mitarbeitenden erinnern sich an ihn als Begleiter, der auch aus der Distanz präsent war.

Norberts Wirken schlägt weite Wellen: In Kiel-Hasseldiekskamm gründete Diana Tigges den Stamm Auenland Pfadfinder im Ring evangelischer Gemeindepfadfinder (REGP). Zudem gab es den nun ruhenden VCP-Stamm Hannah Ahrendt in Hannover.

Kirchenmusik

Norbert Paul rief in Gadenstedt vieles ins Leben: den Posaunenchor, den Kirchenchor, eine Gitarrengruppe und schließlich die Kirchenband Ichthys.

Die Vorgeschichte der Band reicht inzwischen fast 40 Jahre zurück, der erste öffentliche Auftritt in der Andreaskirche war am 14. Januar 1990: wenige Wochen vor Norberts 32. Geburtstag. Bereits ein Jahr später trat die Band erstmals beim Evangelischen Kirchentag im Ruhrgebiet auf und danach zehn Jahre lang bei jedem weiteren Kirchentag.

1992 wurde Norberts Lied „Grenzenlos“ zum Bundeslagerlied des VCP und ermöglichte der Band einen besonderen Auftritt vor großem Publikum in Trier. Bald entstanden die ersten Musikkassetten (!) mit eigenen Liedern, von denen Norbert zunächst die meisten schrieb.

Diese Anfangsphase war eine enorm prägende Zeit. Mehr als 30 Mitwirkende haben die Geschichte der Band mitgeschrieben. Besonders in den frühen Jahren gab es viele, die sich ausprobieren konnten, bevor sich für längere Zeit ein Bandkern von neun Musiker*innen bildete. 1993 stieg Norbert aus. Dieser Übergang verlief nicht ohne Konflikte, doch es spricht für Norbert, dass die Band so stabil war, dass sie bis 2002 fortbestehen konnte.

Es gehört zur Wahrheit, dass Norberts bisweilen chaotischer Arbeits- und Lebensstil dazu führte, dass andere – Ehrenamtliche – über sich hinauswachsen konnten (und mussten). So waren die 90er-Jahre in der Kirchengemeinde eine Zeit des Aufbruchs, mit vielen innovativen Projekten, experimentellen Gottesdiensten und legendären Freizeiten.

Abschied

Norbert hat vieles angestoßen, ermöglicht und begleitet. Als Pastor, Seelsorger und Freund. Dafür gebührt ihm großer Dank! Sein Wirken hat geprägt und damit Lebensläufe maßgeblich zum Guten gewendet: Die einen hätten das Pfadfinden, die Musik oder die Mitarbeit in der Gemeinde nicht für sich entdeckt. Viele hätten keinen Zugang zum Glauben gefunden, andere mit Gott gebrochen. Wir hätten nicht den Beruf, die Familie oder den Freundeskreis, den wir heute haben.  

Die Bitte von Gründer Norbert zum 40. Stammesjubiläum: „ […] Macht bitte weiter so, damit auch nachfolgende Generationen von Kindern und Jugendlichen erleben können, wie toll es ist, Pfadfinderin oder Pfadfinder zu sein.“

Lieber Norbert, das werden wir.  Mit der von dir gespendeten Gitarre tragen wir all die Lieder in die Welt, die wir von dir gelernt haben. Und mit jeder Gruppenstunde und jeder Fahrt knüpfen wir an das an, was du begonnen hast.

Die Fahrt geht immer weiter. Norbert, für dich wird immer ein Platz am Lagerfeuer frei sein.

Von ganzem Herzen vielen Dank für alles.

Gut Pfad.